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Deutsche Mannschaft freut sich auf Berlin - Auftakt zur Weltcup-Saison

Pressekonferenz Bahn-Weltcup © Frank Hammerschmidt
Pressekonferenz Bahn-Weltcup © Frank Hammerschmidt

Mit Optimismus, aber nicht ohne Sorgen geht der Bund Deutscher Radfahrer in die neue Weltcup-Saison im Bahnradsport. Auftakt ist in St. Quentin-en-Yvelines bei Paris (19. bis 21. Oktober). Dritte Station der Serie ist das Velodrom in Berlin (30. November bis 2. Dezember) – die Vorfreude auf den Heim-Weltcup steigt.

Berlin. „Wir werden beim Weltcup in Berlin definitiv mit der stärksten Mannschaft antreten. Das verspreche ich hier“, sagte Kurzzeit-Bundestrainer Detlef Uibel auf der Pressekonferenz im Holiday Inn-Hotel Berlin-East. Wer Ende November an drei Tagen um Weltcup-Siege und Punkte für die Olympia-Qualifikation kämpfen wird, ist indes noch weitgehend offen. Die Vorbereitung in Frankfurt (Oder) auf den Saisonstart in Paris verlief bei den Männern nicht sorgenfrei.

„Wir haben einige Probleme, mit denen wir nicht gerechnet hatten und mussten deshalb die Mannschaften für die ersten beiden Weltcups in Paris und Milton/Kanada umstellen“, erklärte Uibel. Besonders der Chemnitzer Stefan Bötticher klagt nach seinem fulminanten Comeback im August mit dem EM-Titel im Keirin erneut über gesundheitliche Probleme und fällt aus. Auch Timo Bichler (Dudenhofen) und Joachim Eilers (Chemnitz) sind nicht voll belastbar. In Paris startet Uibel deshalb mit Robert Förstemann (Berlin), Maximilian Levy und Eric Engler (beide Cottbus).

Levy bekräftigt Verzicht

Levy bekräftigte in Berlin seinen Verzicht auf die Teilnahme an den Weltmeisterschaften 2019 in Pruszkow/Polen (27. Februar bis 3. März). Der viermalige Weltmeister und dreimalige Olympia-Medaillengewinner und seine Frau Madeleine erwarten Ende Februar ihr drittes Kind. „Ich möchte in dieser Zeit gerne zuhause sein und meine Frau unterstützen“, sagte Levy am Donnerstag. Der 31-Jährige bestreitet aber zunächst die Weltcup-Saison wie geplant und gehörte beim Auftakt in Paris zur deutschen Mannschaft. „Ich habe dort ein klares Ziel vor Augen und möchte im Teamsprint und der Sprint-Qualifikation Top-Zeiten anbieten. Die sind ein wichtiger Indikator für die Beurteilung der physischen Leistungsfähigkeit“, sagte Levy. „Mit meiner Erfahrung und Stabilität möchte ich der Mannschaft helfen, die Olympia-Qualifikation abzusichern.“

Bei den Frauen steht die erste Saison ohne Kristina Vogel an. Die zweimalige Olympiasiegerin und elffache Weltmeisterin aus Erfurt musste nach einem schweren Unfall ihre Karriere beenden. „Kristinas Auftreten in den letzten Wochen hat Mut gemacht. Dieses Erlebnis wird allen immer im Gedächtnis haften bleiben, trotzdem müssen wir jetzt nach vorne gucken und versuchen, den Unfall auszublenden“, sagte Bundestrainer Uibel. Neben der erfahrenen Miriam Welte (Kaiserslautern) drängen mit Pauline Grabosch (Erfurt), Emma Hinze (Cottbus) und Lea Sophie Friedrich (Schwerin) gleich drei junge Fahrerinnen nach. Friedrich, im August vierfache Junioren-Weltmeisterin, gibt in Paris an der Seite von Welte ihren Elite-Einstand. „Bei den Frauen ist im Gegensatz zu den Männern alles sehr stabil, da bin ich sehr optimistisch“, sagte Uibel. „Hauptzielsetzung ist der Teamsprint, darüber erfolgt die Qualifikation für die Olympischen Spielen. Darauf liegt unser Fokus.“

Welte "Mutter der Kompanie"

Welte, die Uibel als „Mutter der Kompanie“ bezeichnete, sieht der Saison zuversichtlich entgegen. Bei der EM im August in Glasgow konnte sie zusammen mit Hinze schon Bronze im Teamsprint gewinnen. „Die jungen Mädels haben sich extrem gut entwickelt. Ich denke, dass wir optimistisch in die Zukunft blicken können“, sagte die 31-Jährige, die mit ihrer Erfahrung (Olympiasiegerin 2012, Olympiadritte 2016, sechsmal Weltmeisterin) Grabosch, Hinze und Friedrich unterstützen will. Ob diese Hilfe bis zu den Olympischen Spielen 2020 gehen wird, ist dagegen weiter offen. „Es bleibt dabei: Spätestens bei der WM 2019 werde ich mich entscheiden, ob ich bis Tokio 2020 weitermache“, sagte Welte.

Nach der positiven Entwicklung in den vergangenen Jahren wollen die deutschen Mannschaftsverfolger in dieser Saison noch näher an die Spitze rücken und das Podium angreifen. Bei den Olympischen Spielen in Rio belegte das Quartett Platz fünf, bei der WM 2018 in Apeldoorn und der EM 2018 in Glasgow gab es jeweils Platz vier. „Wir haben in den letzten zwei Jahren viel probiert und optimiert. Jetzt werden wir wieder etwas weniger riskieren, es geht nun darum, sich für die Olympischen Spielen zu qualifizieren“, sagte Sven Meyer. Der Bundestrainer machte zudem auf Wettbewerbsnachteile aufmerksam. „Es fehlt noch an Strukturen und an Breite im Nachwuchs. Die Briten haben das zehnfache an Budget, bei Mechanikern, Masseuren. Das macht natürlich ganz vorn schon einen Unterschied. Und Konkurrenz belebt das Geschäft“, so Meyer, der derzeit einen engeren Stamm von sechs bis acht Fahrern hat.

Ergebnisse als Verpflichtung

Zu diesem Kreis zählen auch Theo Reinhardt aus Berlin und Domenic Weinstein aus Villingen. Hinter dem Berliner Reinhardt liegt mit WM-Gold und EM-Silber im Madison (jeweils mit Roger Kluge) die erfolgreichste Saison seiner Karriere. „Die Ergebnisse sind Verpflichtung. Als Weltmeister habe ich natürlich ein Interesse, mich entsprechend zu präsentieren – aber man wächst mit seinen Aufgaben“, sagte Reinhardt. Der Fokus des 28-Jährigen liegt aber weiter auf der Mannschaftsverfolgung. „Das ist auch für mich ein Herzensprojekt, damit hat 2012 alles begonnen. Deshalb versuche ich, mich weiter auf diesen Wettbewerb zu konzentrieren und mir gleichzeitig etwas Druck im Madison zu nehmen“, sagte Reinhardt.

Weinstein, in diesem Jahr Europameister in der Einerverfolgung mit deutschem Rekord, konzentriert sich ebenfalls auf den Teamwettbewerb. „Der Vierer ist meine Leidenschaft. Da stecke ich meine ganze Kraft hinein“, sagte der 24-Jährige, der aber auch immer wieder in der Einerverfolgung glänzen möchte. „Ich denke, es wird schon bald den nächsten deutschen Rekord von mir geben. Und ich habe auch das Ziel, mal einen Weltrekord zu fahren“, sagte Weinstein, der bedauerte, dass die Einerverfolgung beim Weltcup im Berlin (30. November bus 2. Dezember) nicht im Programm steht. Bei der Heim-Weltmeisterschaft 2020 (26. Februar bis 1. März) ist der Kampf gegen die Uhr aber sicher dabei. Darauf freut sich Weinstein schon: „Der Weltcup in Berlin wird schon super – aber die Heim-WM sicher ein Riesending!“