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Lea Lin Teutenberg schreibt Familien-Saga im Radsport fort

Lea Lin Teutenberg © Arne Mill / Frontalvision.de
Lea Lin Teutenberg © Arne Mill / Frontalvision.de

Berlin. Seit 1977 läuft im deutschen TV die Sendung „Ich trage einen großen Namen“. Lea Lin Teutenberg ist zwar nicht adelig, hat auch nichts erfunden oder komponiert – wie die meisten Gäste­ ­-, in der Welt des Radsports ist der Name Teutenberg aber schon eine große Nummer – fast seit Jahrzehnten. Vater Lars (48) war mehrfacher deutscher Meister auf der Bahn. Onkel Sven (46) fuhr unter anderem 2001 die Tour de France. Und Tante Ina-Yoko ist mit über 200 Siegen sogar eine der erfolgreichsten Frauen der 1990er und 2000er. Als größten Erfolg feierte die heute 44-Jährige 2011 WM-Bronze im Straßenrennen. Und jetzt schickt sich Lea Lin an, in die Fußstapfen ihrer berühmten Radsport-Familie zu treten. Beim Bahn-Weltcup im Berliner Velodrom (30. November bis 2. Dezember) steht die 19-Jährige vor ihrer Premiere im Elite-Bereich der Frauen.

„Ich bin zehn Jahre geritten, habe Cheerleading gemacht, Tennis und Fußball gespielt und Leichtathletik probiert. Erst 2015 bin ich zum Radsport gekommen – das hat lange nicht so geklappt“, erinnert sich Lin, wie sie nur gerufen wird. 2016 gehörte Teutenberg schon zur Junioren-Nationalmannschaft und wurde für die WM in Katar nominiert. „Die Erfolge kamen relativ schnell. Das macht dann natürlich auch Spaß – deshalb bin ich dabeigeblieben“, sagt die Kölnerin, die von Vater Lars trainiert wird und gerade neben dem Sport ein Studium an der Rheinischen Fachhochschule mit der Fachrichtung Wirtschaftsingenieur begonnen hat. „Sport und Studium unter einen Hut zu bekommen, ist nicht so einfach, aber ich werde gut unterstützt“, freut sich Teutenberg.

Nach dem Abitur 2017 konzentrierte sich Teutenberg zunächst komplett auf den Radsport, war Ende 2017 auch bei der Straßen-WM in Norwegen dabei und ergatterte für 2018 einen Profi-Vertrag beim Team WNT Rotor Pro Cycling. „Ich wollte einen entspannten Einstieg“, sagt Teutenberg. Im kommenden Jahr steigen aber die Ansprüche – beim Team und Teutenberg. Mit der Niederländerin Kirsten Wild und der Deutschen Lisa Brennauer hat die demnächst unter deutscher Lizenz fahrende Mannschaft zwei absolute Schwergewichte des Frauen-Radsports verpflichtet – sowohl auf Straße als auch auf Bahn. Beide haben mehrfach WM- und EM-Medaillen gewonnen. „Das Team arbeitet sehr professionell und es herrscht eine tolle Atmosphäre. Und vom Wissen von Fahrerinnen wie Wild und Brennauer kann ich nur lernen und profitieren“, sagt Teutenberg.

Zwar will Teutenberg sich als Straßen-Profi etablieren, die Bahn spielt für die Rheinländerin auch immer wieder eine Rolle. In diesem Sommer gehörte sie zum erfolgreichen deutschen Vierer, der bei den U-23-Europameisterschaften Platz drei in der Verfolgung holte. „Ich fahre Straße und Bahn wirklich gern. Beides geht aber inzwischen fast nahtlos ineinander über – das ist eine Gefahr. Ich versuche, es ausgewogen zu halten“, erklärt Teutenberg. In Berlin beim ersten Heim-Weltcup seit 20 Jahren ist sie zusammen mit Michaela Ebert (Leipzig) für das Madison vorgesehen. Und sieht in dem relativ neuen Wettbewerb die Möglichkeit, noch auf den Olympiazug für die Spiele 2020 aufzuspringen. „Ja, es stimmt hier ist die Chance realistisch – und Olympia ist immer ein Ziel. Madison ist für alle im Frauenbereich neu – und es gibt noch kein deutsches Standard-Paar“ so Teutenberg. Wichtiger als Tokio 2020 ist der 19-Jährigen aber eine nachhaltige, langfristige Entwicklung. Und das sie mit Leistung überzeugt – weniger mit ihrem berühmten Namen. Lea Lin Teutenberg: „Ich habe immer versucht, mich davon zu lösen. Ich möchte für meine Leistungen gefördert werden – und nicht, weil ich Teutenberg heiße.“