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Weinstein hakt trotz EM-Gold einen Profi-Vertrag ab

 © Arne Mill/frontalvision.de
© Arne Mill/frontalvision.de

Glasgow. Domenic Weinstein reckte die Faust in die Luft, herzte sein Trikot und küsste immer wieder die Goldmedaille. Nach mehreren vergeblichen Anläufen stand der 23-Jährige aus Unterbaldingen  ganz oben auf dem Treppchen in der 4000-Meter-Einverfolgung bei der Europameisterschaft in Glasgow. „Endlich – das trifft es ganz gut“, fasste Weinstein nach WM-Silber 2016 sowie mehreren Silber- und Bronzemedaillen bei der EM seinen „Befreiungsschlag“ (Weinstein) zusammen.

Nach dem EM-Gold von Lisa Brennauer (Durach) über die 3000 Meter erleben die Verfolger bei den Meisterschaften in der Sir-Chris-Hoy-Arena gerade eine Art Renaissance und erinnern an erfolgreiche Zeiten, die es zuletzt in ähnlicher Form um die Jahrtausend-Wende mit Robert Bartko (Berlin) und Judith Arndt (Leipzig) gab. Zudem standen auch beide Verfolger-Mannschaften in Glasgow in den Finals. Die Frauen holten Bronze.

„So richtig realisieren werde ich den Erfolg erst, wenn ich mal Familie habe und auf die alten Zeiten zurückblicken werde“, sagte Weinstein, der in der Qualifikation zum wiederholten Male seinen eigenen deutschen Rekord auf 4:13,073 Minuten steigerte, nachdem er im Herbst 2015 den 16 Jahre alten Rekord Bartkos geknackt hatte. „Er ist hier zweimal in diesem Bereich gefahren. Das ist nochmal ein massiver Schritt nach vorn“, lobte Bundestrainer Sven Meyer und adelte seinen Ausnahmeathleten. „Für mich ist die Einerverfolgung immer noch die Königsdisziplin.“

Weinstein konzentriert sich erst seit dem vergangenen Jahr komplett auf das Oval, hatte lange auf einen Profi-Vertrag auf der Straße gehofft. „Ich bin der einzige, der bei einem Continental-Team fährt“, sagte Weinstein, der für Heizomat rad-net.de unter Vertrag steht. Das ist gleichzusetzen mit der Nationalmannschaft. „Alle anderen, die international vorn mitfahren, haben dagegen einen Profivertrag in der World Tour“, so der 23-Jährige, der unter anderem auf Weltmeister Filippo Ganna aus Italien verweist.

„Ich habe das Thema Straßen-Profi aber seit 2017 abgehakt – es gab einfach kein Interesse von Außen“, so der Sportsoldat. „Und bevor ich zwei Sachen halb mache, konzentriere ich mich jetzt auf eine Aufgabe richtig. Das hat Kräfte freigesetzt“, erklärte Weinstein, der die Nacht im Hotel im Europameister-Trikot verbrachte. Zuhause in Unterbaldingen soll das Stück einen Ehrenplatz finden und ihn weiter beflügeln. „Dass es nach so viel Silber und Bronze endlich Gold geworden ist, motiviert mich ungemein für die nächsten Wochen und Monate“, sagte Weinstein und küsste erneut Trikot und Medaille.