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Berliner Beyer will nicht nur die Aushilfe sein

Max Beyer (l.) fährt auch mit Weltmeister-Streifen in London © Tornanti.cc
Max Beyer (l.) fährt auch mit Weltmeister-Streifen in London © Tornanti.cc

London. Ein bisschen darf sich in diesem Tagen auch Maximilian Beyer wie ein Weltmeister fühlen. Bei der Fahrervorstellung im Rahmen des Sechstagerennens in London wird der Berliner nicht nur immer in einem Atemzug mit seinem Madison-Partner und zweifachen Titelträger Theo Reinhardt vorgestellt. Auch trägt der Berliner die Regenbogen-Streifen als Insignien eines Weltmeisters auf seinem Trikot – nur nicht quer als Brustring sondern hochkant. „Ich bin eben die Aushilfe“, sagt Beyer, der auf der Olympia-Bahn von 2012 wie schon bei den Europameisterschaften in Apeldoorn Reinhardts WM-Partner Roger Kluge vertritt und vor dem Schlusstag auf dem zweiten Platz liegt.

Während Kluge sich nach seiner Saisonpause als Straßenprofi derzeit im Neuaufbau befindet und erst beim zweiten Bahn-Weltcup Mitte November in Glasgow auf die Bahn und in die Wettkämpfe zurückkehren wird, hat Beyer dessen Platz in der Nationalmannschaft und an der Seite Reinhardts beim Sechstagerennen eingenommen. Auch bei den Sixdays Berlin im Januar (23. bis 28.1.) könnten die beiden als Lokalmatadoren wieder ein Gespann bilden. Kluge ist zur gleichen Zeit voraussichtlich in Australien mit seinem Team Lotto-Soudal bei der „Tour Down Under“ gefordert.

Nach einer schwierigen Saison 2018 („Das war gar nicht mein Jahr.“) und einer Operation des rechten Knies aufgrund zweier Tumore unterhalb der Kniescheibe und am Kreuzband hat Beyer im Laufe von 2019 deutlich an Fahrt aufgenommen. „Seit der Operation läuft es wieder sehr gut für mich“, sagt der Bundeswehr-Soldat, der für das Heizomat rad-net.de-Team fährt. Schon bei den deutschen Meisterschaften Anfang August in Berlin präsentierte sich der 25-Jährige mit zwei Titeln erstarkt. Bei einem von Bundestrainer Sven Meyer angesetzten Ausscheid in Wien gegen den Zepernicker Moritz Malcharek (LKT Team Brandenburg) sicherte sich Beyer eine Woche vor der EM in den Niederlanden den Startplatz in der Nationalmannschaft.

„Ich denke, wir haben in Apeldoorn bei der EM das absolute Optimum herausgeholt, zumal Max etwas ins kalte Wasser geworfen wurde. Aber wir haben es super gelöst und mit Bronze nach Hause zu gehen, was schon cool“, freute sich Reinhardt, der zum vierten Mal in Folge bei WM und EM auf dem Podium stand – diesmal eben mit Beyer. Nach 200 Runden und langer Führung ließ sich das Duo erst in der Schlussphase von den Dänen Lasse Norman Hansen/Michael Morkov (52) und den Niederländern Jan-Willem van Schip/Yoeri Havik (37) verdrängen.

Für Beyer war die Bronzemedaille und die gezeigte Leistung fast ein bisschen eine Erlösung. Meistens lief es bei den Saisonhöhepunkten wie der WM 2017 für den jungen Vater gar nicht gut. Auch der Start in die EM in Apeldoorn war im olympischen Omnium mit Platz 14 und zwei überschaubaren Leistungen im Scratch (9.) und Ausscheidungsfahren (10.) alles andere als optimal. „Ich war nach den ersten drei Tagen ziemlich deprimiert und habe richtig Panik geschoben. Aber so schlecht war meine Form nicht. Deshalb bin ich froh, dass es so im Madison gut gelaufen ist“, sagte Beyer, der nach London auch beim Weltcup-Auftakt in Minsk zusammen mit Reinhardt fahren wird.

Während Reinhardt ziemlich sicher für die Heim-WM Ende Februar 2020 in Berlin und die Olympischen Spiele planen kann („Roger und ich gehen voll fokussiert an die WM heran und sind heiß darauf. Der Aufbau der Form geht aber in Richtung Tokio 2020.“) lautet das Nahziel für Beyer die Qualifikation im olympischen Mehrkampf Omnium abzusichern und im besten Fall selbst den Startplatz in Berlin einzunehmen. „Die WM in Berlin ist ein krasser Höhepunkt. Natürlich möchte ich dabei sein“, sagt Beyer. Und mit einem starken Auftritt könnte er sich dort für Tokio 2020 in Stellung bringen. Das Reglement lässt wohl eine Hintertür für eine Nominierung zu. Und von Roger Kluge, in Rio Olympia-Sechster im Omnium, ist bekannt, dass er diese Disziplin nicht so liebt wie das Madison. „Abgeschrieben habe ich Tokio auf keinen Fall. Ich denke, dass es schon noch eine Möglichkeit für mich geben wird“, hofft Maximilian Beyer dann vom Platzhalter zur Stammkraft aufrücken zu können.