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Deutschland dominiert Junioren-WM in Frankfurt (Oder)

Alessa-Catriona Pröpster © SW Pix
Alessa-Catriona Pröpster © SW Pix

Die deutsche Mannschaft hat bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Frankfurt (Oder) überlegen die Nationenwertung gewonnen. Fünf WM-Titel und vier Silbermedaillen standen am Ende zu Buche. An allen Titeln waren Tobias Buck-Gramcko und Alessa-Catriona Pröpster beteiligt.

Frankfurt (Oder). Tobias Buck-Gramcko hat sich am Schlusstag endgültig zum König der Junioren-Weltmeisterschaften gekrönt. Nach Gold in der Mannschaftsverfolgung in Weltrekord-Zeit sowie dem Titel in der Einerverfolgung siegte der 18-Jährige am Sonntag auch im 1000-Meter-Zeitfahren. In 1:01,328 Minuten stellte er einen neuen deutschen Rekord in seiner Altersklasse auf und verwies den Niederländer Daan Kool (1:01,622) auf den zweiten Platz. 

„Ich wusste, dass ich das Rennen noch umbiegen kann“, sagte Buck-Gramcko strahlend, der einen tollen Steigerungslauf hinlegte. Nach der ersten Zwischenzeit lag er noch auf Platz acht, fuhr dann kontinuierlich schneller. 125 Meter vor dem Ziel war er Zweiter, fing aber den Niederländer Kool unter dem Jubel der Zuschauer ab. „Ich wusste, dass ich hinten liege. Aber über die 1000 Meter muss man ohnehin die ganze Zeit volles Brett fahren“, sagte Buck-Gramcko, der ab 1. November der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehören wird. Für BDR-Sportdirektor Patrick Moster ist der 18-Jährige, der mit dreimal Gold erfolgreichster Athlet der WM wurde, ein Ausnahmetalent. „Er ist sehr schnellkräftig und hat einen großen Motor. Für mich ist er ein Olympia-Kandidat – nicht erst 2024, sondern im nächsten Jahr in Tokio“, lobte Moster.

Im Keirin der Frauen siegte überlegen Alessa-Catriona Pröpster aus dem Bahn-Team Rheinland-Pfalz. Nach zuvor Gold im Sprint und jeweils Silber im Zeitfahren und Teamsprint war die 18-Jährige aus Jungingen die dominierende Fahrerin im Kurzzeitbereich und setzte die deutsche Erfolgsserie fort. Mit drei WM-Titeln - 2018 holte sie schon Gold im Teamsprint - steht Pröpster jetzt in einer Reihe mit Lea Sophie Friedrich (2018), Pauline Grabosch (2016/15) und Emma Hinze (2015/14), die jeweils vier Junioren-WM-Titel gewinnen konnten.

Selbst ein Bänderriss im Knöchel und sechs Wochen Trainingsrückstand in der EM- und WM-Vorbereitung konnten Pröpster nicht stoppen. „Nach dem Teamsprint hatte ich ein bisschen Druck gespürt. Aber ich habe es ganz gut hier gelöst“, sagte die zweimalige Weltmeisterin von Frankfurt, die Anfang 2020 an der Sportschule in Kaiserslautern ihr Abitur ablegen will. Heimtrainer Frank Ziegler, für den es der 20. WM-Titel seiner langen und erfolgreichen Laufbahn ist, lobte seinen Schützling und traut ihr zu, sich schnell in der Elite zu etablieren. Ziegler: „Sie ist mit der Druck-Situation hervorragend umgegangen. Sie ist eine super-strukturierte Sportlerin, hat eine sehr gute Athletik und sicher auch gute Chancen in der Elite-Klasse.“

Emotionaler und sportlicher Höhepunkt der WM war der Sieg des deutschen Junioren-Vierers. In der Fabelzeit von 3:58,793 Sekunden holten  sich Tobias Buck-Gramko, Hannes Wilksch (RC Luckau), Pierre-Pascal Keup (ESV Lok Zwickau) und Nicolas Heinrich (ESV Lok Zwickau) den Titel in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung. In einem hochklassigen Finale blieb auch Gegner Frankreich (3:59,543) unter der Schallmauer von vier Minuten. „Das war Super-Arbeit vom gesamten Team – Glückwunsch an alle. Das war der richtige Erfolg zum richtigen Zeitpunkt“, freute sich Sportdirektor Patrick Moster und verteilte reihenweise Schulterklopfer. Gold ging auch an  Moritz Kretschy (RSV 54 Venusberg), der im Vorlauf mit zum Einsatz kam.

„Wahnsinn! Ich habe keine Worte. Wir haben mit einer Medaille geliebäugelt. Jetzt sind wir Weltmeister mit Weltrekord. Davon haben wir nicht geträumt – es war ein perfekter Lauf“, sagte Hannes Wilksch, der als einziger Brandenburger besonders viele Hände schütteln musste. Am Schlusstag holte sich der 17-Jährige zusammen mit dem Kölner Tim Torn Teutenberg (FC Lexxi Speedbike) noch die Silbermedaille im Madison und rundete das starke deutsche Ergebnis bei dieser Junioren-WM ab. 

„Wir sind sehr zufrieden. Es ist alles super gelaufen. Die WM hat unseren Standort gestärkt“, zog Dan Radtke, Geschäftsführer vom ausrichtenden Frankfurter RC 90, als Fazit. 4000 Zuschauer besuchten an den fünf Wettkampftagen die Oderlandhalle. „Es waren wunderbare Tage hier in Frankfurt (Oder)“, ergänzte Delegationsleiter Günter Schabel. „Alle Nationen haben die deutsche Gründlichkeit gelobt und freuen sich schon auf die Elite-Weltmeisterschaft Ende Februar 2020 im Berliner Velodrom“, ergänzte der BDR-Vizepräsident. Auch sportlich konnte die 20-köpfige Mannschaft überzeugen: „Unser Nachwuchs hat gezeigt, dass er gut in Schuss ist. Wir wollten hier Bestleistungen abrufen – das ist fast durch die Bank gelungen“, ergänzte Schabel.

Im Medaillenspiegel belegte der deutsche Nachwuchs mit fünf Gold- und vier Silbermedaillen unangefochten den ersten Platz vor Neuseeland (3/1/0) und Griechenland (2/0/0). 22 Nationen holten in den 20 Wettbewerben Medaillen, darunter vermeintliche Exoten wie Chile und Indien, für die die Teamsprinter um Esow Esow sogar die Goldmedaille gewannen. Erstmals am Start unter den 48 Nationen mit mehr als 300 Sportlerinnen und Sportlern war Nigeria. Im kommenden Jahr finden die Junioren-Weltmeisterschaften in Kairo/Ägypten statt.

Die Medaillengewinner:

Gold: Mannschaftsverfolgung Junioren (Buck-Gramcko, Wilksch, Heinrich, Keup, Kretschy), Tobias Buck-Gramcko (Einerverfolgung, Zeitfahren), Alessa-Catriona Pröpster (Sprint, Keirin)

Silber: Nicolas Heinrich (Einerverfolgung), Alessa-Catriona Pröpster (Zeitfahren), Teamsprint Juniorinnen (Pröpster, Albers, Sperlich), Madison Junioren (Teutenberg, Wilksch)