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Maximilian Levy im Interview: „Es macht wieder Spaß“

Maximilian Levy bei den Sixdays im Januar. © Sixdays Berlin / Arne Mill
Maximilian Levy bei den Sixdays im Januar. © Sixdays Berlin / Arne Mill

Nach einer längeren freiwilligen Pause und einem Ausflug zum Triathlon kehrt Maximilian Levy (32) bei den deutschen Meisterschaften in Berlin (31.7. bis 4.8.) auf die Bahn zurück. Im Interview spricht der viermalige Weltmeister aus Cottbus über seine Ziele, die körperlichen und mentalen Veränderungen durch die Auszeit und seine Pläne in Richtung Olympische Spiele 2020.

Das Sechstagerennen in Berlin im Januar war Ihr letzter Bahn-Wettkampf. Das ist sechs Monate her. Freuen Sie sich auf die Rückkehr ins Velodrom?
Ja. Ich war in den vergangenen Tagen schon einige Male zum Training auf der Bahn, in Cottbus und in Frankfurt (Oder). Ab Dienstag bin ich in Berlin vor Ort. Es macht wieder Spaß, wenngleich ich spüre, dass ich ein halbes Jahr nichts mit dem Bahnrad gemacht habe. Wunderdinge sind deshalb natürlich nicht zu erwarten.

Mit welcher Erwartungshaltung oder Zielstellung gehen Sie in die Wettbewerbe?
Ich habe keine großen Erwartungen oder Zielstellungen. Ich nehme die Meisterschaften als Auftaktrennen. Das ist so mit Bundestrainer Detlef Uibel besprochen. Und auch für mein Team Erdgas.2012 ist es wichtig, dass ich mich in Berlin präsentiere. Ich starte als erstes über die 1000 Meter. Das ist sicher das Rennen, das mir momentan am meisten liegt. Alles, was mit Beschleunigung zu tun hat, war noch nie mein Ding und fällt mir gerade besonders schwer. Für den Sprint habe ich aber auch nicht gemeldet, da an diesem Tag meine Tochter Tessa-Lynn eingeschult wird. Im Keirin am Schlusstag werde ich mit dem Mut des Tüchtigen versuchen, etwas zu bewegen. Von der Leistungsfähigkeit ist es aber unrealistisch, dass ich in dieser Disziplin meinen zehnten nationalen Titel gewinnen kann.

Im vergangenen Jahr haben Sie einen Ausflug aus dem Sprint- in den Ausdauer-Bereich gemacht und als Anfahrer dem Bahnvierer aus Brandenburg zu Silber verholfen. War das auch in diesem Jahr eine Überlegung wert?
Ja. Ich wäre gern wieder mit dem Vierer gefahren, das würde mir physisch sicher momentan sehr liegen. Da hat mir aber leider etwas Vorbereitungszeit gefehlt, und auch der Zeitplan von Berlin kam mir nicht entgegen. Ich möchte aber auch nicht noch für weitere Unruhe sorgen. Am Ende gilt jetzt langsam aber sicher der Disziplin mein Fokus, mit der ich die meisten Chancen Richtung Olympische Spiele in Tokio habe. Und das ist der Sprint-Bereich.

Wie haben Sie die Strapazen des Ironman-Triathlons in Frankfurt/Main Ende Juni und des Sprint-Wettbewerbs eine Woche später in Hamburg weggesteckt?Momentan fühle ich mich voller Energie. Nach dem Ironman war ich drei Tage müde, dann ging es in Hamburg aber sehr, sehr gut. Meine Akkus sind wieder voll.

Sie haben in der Vorbereitung auf den Ironman-Triathlon mehr als 10 Kilogramm Körpergewicht verloren. Müssen Sie im gleichen Ausmaß wieder an Gewicht zulegen?
Das ist eine Frage, die ich selber noch nicht abschließend beantworten kann. Ich denke, drei, vier Kilogramm müssen wieder rauf – am liebsten natürlich an Muskelmasse. Mein Trainer Eyk Pokorny und ich sind uns aber noch nicht sicher, wie wir das angehen. Ich habe im vergangenen Winter festgestellt, dass es bei mir ohne Krafttraining im Kraftraum relativ lange und gut funktioniert. Für den Sprint wären sicher sieben bis acht Kilogramm mehr Gewicht besser, um mit mehr Masse auch mehr Schwung von der Bande oder in der Kurve aufzunehmen. Im Keirin ist es nicht so dramatisch, weil das Rennen viel länger ist und die Beschleunigung nicht eine ganz so wichtige Rolle spielt. Auch im Teamsprint kann mir das geringere Gewicht helfen. Vielleicht schaffe ich einen Mittelweg und wiege am Ende 86 kg und nicht wieder 92 kg.

Hat Ihnen die Auszeit mental geholfen?
Ja. Ich bin mal zur Ruhe gekommen und habe genau geprüft, was ich machen will. Ich habe festgestellt, dass die positiven Seiten des Leistungssports für mich eindeutig überwiegen. Manchmal dauert es ein bisschen, das zu erkennen... Dann hat mir die Auszeit auch für den Kopf sehr gutgetan. Ich habe wieder Lust und Motivation an dem gefunden, was ich mache. Ich habe beim Triathlon meinen Körper nochmal neu kennengelernt. Ich konnte aus dieser Zeit sehr viel Kraft schöpfen, das wird mir für die Zukunft extrem helfen. Da bin ich auf einem neuen Level.

Sie haben sicher die Entwicklung und die WM-Ergebnisse im Kurzzeitbereich genau verfolgt. Wie lautet Ihr Fazit?
An unserem Leistungsvermögen hat sich nicht viel geändert. Wir sind im Teamsprint nicht mehr der Medaillenkandidat, der wir vor einigen Jahren waren. Ich bin gespannt, in welche Richtung es im kommenden Winter weitergeht.

Wie ist Ihr Fahrplan nach der Meisterschaft?
Die Europameisterschaft im Oktober in Apeldoorn ist für mich kein Thema. Für mich zählen die Weltcups, wahrscheinlich fahre ich die ersten beiden Wettbewerbe in Minsk und Glasgow. Wenn ich da in der Lage bin, Top-Leistungen zu zeigen, habe ich alle Karten in der Hand, um zur Weltmeisterschaft in Berlin zu gehen und mich dort für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu qualifizieren.

Ist die vierte Olympia-Teilnahme inzwischen also das erklärte Ziel?
Warum nicht? Entscheidend ist für mich, dass ich mein Trainings-Programm umsetzen kann, wie ich es für richtig halte. Das Thema Familie ist nach der Geburt unseres dritten Kindes für mich auch noch wichtiger geworden. Ich gucke mir die nächsten Monate deshalb genau an, wie es läuft. Dabei wird für mich auch interessant sein zu sehen, auf welche Disziplin der Verband sich für Tokio konzentrieren will - Teamsprint oder die Einzeldisziplinen. Ich nehme das Thema Olympia 2020 nicht auf die leichte Schulter, aber ich gehe es entspannt an.