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Robert Förstemann wechselt als Tandem-Pilot zum Paracycling

Robert Förstemann und Kai-Kristian Kruse auf dem Tandem. ©
Robert Förstemann und Kai-Kristian Kruse auf dem Tandem. ©

Berlin. Bei der Bahnradsport-Weltmeisterschaft 2018 in Apeldoorn brachte Robert Förstemann die deutschen Teamsprinter noch in Schwung und belegte Platz fünf. Ziemlich genau ein Jahr später gibt der 33-Jährige an gleicher Stelle in dieser Woche seinen Einstand bei den Paracycling-Weltmeisterschaften. Der Berliner bildet zusammen mit dem sehbehinderten Rangsdorfer Kai-Kristian Kruse ein Gespann und steuert als sogenannter „Guide“ das Tandem der beiden.

„Der Wechsel ist nicht das Ende meiner Leistungssportkarriere, ich verschiebe nur meinen Fokus. Ich will weiterhin nach Tokio 2020 – nur in einer anderen Sportart“, sagte Förstemann am Montag auf einem Pressegespräch in Berlin. Schon seit Sommer 2018 hatte sich der 33-Jährige mit einem Wechsel beschäftigt. „Ich bin 17 Jahre größtenteils Einzelkämpfer gewesen, jetzt habe ich noch mal eine andere Herausforderung gesucht. Da sich auch mein Arbeitgeber, die Bundespolizei, hinter das Projekt gestellt hat, ist mir die Entscheidung leicht gefallen“, sagte Förstemann.

Für Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel hatte sich der Wechsel Förstemanns schon länger abgezeichnet. „Die Entscheidung ist nachvollziehbar. Wir wollen in Richtung Olympische Spiele 2020 auf junge Sportler setzen. Da hat sich für ihn natürlich die Frage der Perspektive gestellt“, erklärte Uibel, der in Richtung Tokio auf die jungen Timo Bichler (19 Jahre/Dudenhofen) und Nik Schröter (20/Cottbus) setzt.

Förstemann gehörte seit 2005 zur Bahnrad-Nationalmannschaft. 2012 bei den Olympischen Spielen gewann er die Bronzemedaille im Teamsprint, 2010 wurde er zusammen mit Maximilian Levy und Stefan Nimke Weltmeister. Jahrelang lieferte er sich ein Duell mit Rene Enders aus Erfurt um die Position des Anfahrers im Teamsprint-Trio. Die Spiele 2016 in Rio verpasste er. „,Robbe’ hat leider seine Kraftfähigkeiten öfter als erwartet nicht umsetzen können“, analysierte Uibel.

„Ich hatte eine coole Zeit in der Nationalmannschaft, habe viel erreicht. Natürlich hätte ich gern mehr erreicht – da brauche ich nicht drum herum reden“, sagte Förstemann, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern vor den Toren von Berlin lebt. „Ich war öfter das Maß der Dinge – besonders sind mir natürlich die Olympia-Medaille, der WM-Titel und auch der Weltrekord im Teamsprint in Erinnerung geblieben“, erinnerte sich der gebürtige Greizer, der nach zwei Jahren Pause wieder bei Emanuel Raasch trainiert. Der 63-Jährige war 1991 zusammen mit Eyk Pokorny letzter Tandem-Weltmeister bei der Elite.

Förstemanns Partner auf dem Tandem ist Kai-Kristian Kruse. Von 2013 bis 2018 bildete der 28-Jährige zusammen mit dem ehemaligen Teamsprint-Olympiasieger Stefan Nimke (41) aus Schwerin bereits ein Gespann. Bei den Paralympics 2016 holte das Duo die Bronzemedaille im 1000-Meter-Zeitfahren. 2018 trennte sich das Erfolgsgespann, um jeder für sich eine neue Herausforderung zu suchen. Nimke steht bei der WM in den Niederlanden trotzdem mit Tim Kleinwächter aus Bad Winsheim am Start – beide haben sich eher auf die 4000 Meter verlegt.

„Die deutsche Hymne klingt sehr schön. Und was nach Bronze und Silber kommen soll, ist klar“, sagte Kruse, der 2012 bei den Paralympics in London auch schon Platz zwei im Rudern belegte. „Ich denke, mit dem Wechsel zu Robert habe nochmal einen Schritt nach vorn gemacht.“ Vor dem ersten gemeinsamen WM-Auftritt am Samstag im Omnisport Apeldoorn backen aber beide erst mal kleine Brötchen. „Wir peilen ein solides Ergebnis an – Platz fünf bis acht wäre super“, sagte Förstemann vor der Abreise. Insgeheim träumt er aber von weiterem olympischen Edelmetall - im nächsten Jahr in Tokio: „Eine Medaille bei den Paralympics ist nicht weniger wert als eine Olympia-Medaille. Die Para-Sportler stecken genau so viel Fleiß und Schweiß in ihren Sport wie die Nicht-Behinderten - das sollte anerkannt werden."