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Deutsche Frauen holten am vierten WM-Tag Gold, Silber und Bronze

Weltmeisterin Lea Sophie Friedrich © UCI
Weltmeisterin Lea Sophie Friedrich © UCI

Lea Sophie Friedrich hat am vierten Wettkampftag für das dritte Gold im Lager des BDR gesorgt. Die 20-Jährige aus Dassow in Mecklenburg-Vorpommern war vor 4500 Zuschauern im fast ausverkauften Velodrom die schnellste Frau im 500-Meter-Zeitfahren. Für weitere Medaillen sorgten Lisa Brennauer (Silber) und Franziska Brauße (Eningen) in der Einerverfolgung.

Berlin. „Es ist so unfassbar krass: Deutschland hat nach drei Sprintwettbewerben bei den Frauen drei Goldmedaillen – und das im Olympia-Jahr. Ich bin einfach nur stolz, dass wir das so rocken können“, jubelte Lea Sophie Friedrich nach ihrer Siegesfahrt über 500 Meter. Friedrich steigerte ihre persönliche Bestzeit auf 33,121 Sekunden und gewann nach dem Sieg im Teamsprint ihre zweite Goldmedaille bei diesen Weltmeisterschaften von Berlin. „Ich bin mit einem größeren Gang angefahren. Ich wusste, dass ich ein gutes Durchhaltevermögen habe und damit sehr schnell auf der zweiten Runde bin. Das hat zum Sieg gereicht“, sagte Friedrich, die am Sonntag im Keirin noch eine weitere Medaillenchance hat. Dort startet auch Emma Hinze. Teamkollegin Pauline Grabosch fuhr ebenfalls eine neue persönliche Bestzeit (33,179), was trotzdem nur zum undankbaren vierten Platz reichte. 

„Lea ist konditionell sehr stark, ich muss sie eher manchmal etwas bremsen. Welte und Vogel haben mit ihren Erfolgen den Nachwuchs mitgerissen, darum haben wir jetzt diese Stärke. Das junge Trio Hinze, Grabosch, Friedrich hat sehr schnell den Sprung an die Weltspitze geschafft, aber das darf uns nicht übermütig werden lassen“, warnte Bundestrainer Detlef Uibel vor zu viel Euphorie vor Olympia. „Der Erfolg von Berlin ist gut für das Selbstvertrauen, aber unsere Arbeit ist noch lange nicht beendet.“

In einem spektakulären Madison-Rennen der Frauen verteidigten Kirsten Wild und Amy Pieters mit 36 Punkten erfolgreich ihren WM-Titel. Die Niederländerinnen siegten vor Frankreich (24) und Italien (20). Das deutsche Duo mit Franziska Brauße/Lisa Klein (Eningen/Erfurt) belegte Platz zehn.

Knapp 40 Minuten später standen sich Brauße und Klein als Gegnerinnen im Lauf um die Bronzemedaille in der 3000-Meter-Mannschaftsverfolgung gegenüber. Europameisterin Brauße sicherte sich in 3:24,284 Minuten den dritten Platz vor Klein (3:26,342), die im Vorjahr den dritten Platz belegt hatte. In der Qualifikation hatten Brauße (3:20,222) und Klein (3:21,828) ihre Bestleistungen erheblich gesteigert. Im großen Finale steigerte Chloe Dygert Owen aus den USA ihren in der Qualifikation gefahrenen Weltrekord auf 3:16,937 Minuten und ließ damit Lisa Brennauer (Durach) keine Chance (3:23,229), die damit wie im Vorjahr in Pruszkow mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen musste.

„Bereits im Vierer hat sich das sehr hohe Niveau abgezeichnet“, freute sich Bundestrainer André Korff über den neuerlichen Leistungssprung seiner Fahrerinnen. „Alle Drei haben eine bombastische Form.“ Brennauer verbesserte ihren eigenen deutschen Rekord, aufgestellt bei der EM im Herbst 2019 in der Qualifikation um fast fünf Sekunden auf 3:18,320. „Ich wusste, dass ich heute schnell fahren muss, wenn ich ins große Finale will. Die Atmosphäre war bombastisch, Familie und Freunde sind in der Halle, alle unterstützen uns, Betreuer, Mechaniker, das Publikum. Ich bin echt happy“, sagte Brennauer nach ihrem Superlauf. 

 „Ich habe gewusst, dass es knapp wird, erst mit der Zielgeraden habe ich gewusst, dass ich gewonnen habe. Für Olympia gibt uns das alles noch einmal sehr viel Motivation“, sagte Brauße, die die Doppelbelastung gelassen nahm. „Das war Adrenalin pur, hat sich angefühlt wie ein Omnium. Aber es hatte auch ein Vorteil, wir mussten uns nicht mehr warmfahren,“ so die Bronzemedaillengewinnerin. Lisa Klein war nicht enttäuscht, dass es nicht zur Einzelmedaille gereicht hat. „Es war heute ein Tag mit Höhen und Tiefen. Wir haben heute bewiesen, dass wir die besten Verfolgerinnen der Welt sind. Nach heute und nach der Vorstellung im Vierer wissen wir, was wir können. Darum muss unser Ziel nicht sein, eine Medaille in Tokio zu gewinnen,“ wir müsssen nach Gold greifen!“ sagte die Saarländerin in Berlin.

Im Omnium belegte der Berliner Roger Kluge mit 97 Punkten den undankbaren vierten Platz, löste damit aber das Ticket für die Olympischen Spiele für den Bund Deutscher Radfahrer in diesem Mehrkampf. Den Titel holte sich wie im Vorjahr der Franzose Benjamin Thomas (158) vor Jan-Willem van Schip (Niederlande/135) und dem Briten Matthew Walls (117). „Der vierte Platz ist bei einer WM immer ein undankbarer Platz. Das Olympia-Ticket ist mit diesem Ergebnis sicher, dieser Meilenstein ist geschafft. Das war im Winter ein hartes Stück Arbeit. Am Sonntag wird es komplett anders: wer am längsten Vollgas fahren kann und Punkte mitnehmen kann, der gewinnt“, sagte Kluge, der am Sonntag zusammen mit Theo Reinhardt (Berlin) zum dritten Mal in Folge Weltmeister im Madison werden kann.

Stefan Bötticher bot eine starke Leistung im Sprintturnier der Männer, in dem er im Achtelfinale den Briten Jason Kenny ausschaltete und im Viertelfinale auf den Niederländer Jeffrey Hoogland traf, den er allerdings nicht besiegen konnte und ausschied. Das bedeutete Platz sechs. "Ich bin nicht unzufrieden mit meinem Abschneiden, auch wenn ich gern weitergekommen wäre. Aber die Lücke zu den Niederländern ist kleiner geworden. Das stimmt mich zuversichtlich mit Blick auf Olympia," sagte Bötticher nach dem Viertelfinale.